„Herr Spahn, ich komme wieder!“ am …

Freitag, den 15. Juni lese ich ab 15 Uhr vor dem Ministerium für Gesundheit Auszüge aus den Briefen, die mich erreicht haben vor.

Hinter jedem Brief, der geschrieben wurde, verbirgt sich ein Schicksal, manchmal eine Tragödie. Immer aber verbergen sich Tränen, Sorgen und Ängste zwischen diesen Zeilen. Und die sollen sichtbar werden. Denn sie gehen uns alle an.

Kämpfen wir für die, die wir lieben!

Herr Spahn, ich komme wieder!

Inwendig warm 2018
„Herr Spahn, ich komme wieder!“
Liebe pflegende Angehörige, liebe Pflegende und liebe zu Pflegende,
vor kurzem bin ich zu Fuß von Hamburg nach Berlin gewandert, um mein Entsetzen über die Ernennung von Jens Spahn zum Gesundheitsminister auszudrücken.
Die Aktion hat ein unerwartet hohes Presseinteresse ausgelöst.
Dieses Interesse möchte ich nicht verblassen lassen. Dann wäre alles umsonst gewesen. Deshalb folgt nun eine weitere Aktion:
„Herr Spahn, ich komme wieder“
Solange diese erbärmliche Pflegesituation die Zukunft meines Sohnes gefährdet, werde ich immer wieder kommen.
Ich habe in einem Aufruf alle, die mit Pflege zu tun haben, gebeten, mir einen Brief zu schreiben, in dem sie über ihre Lebens- und Leidensgeschichte berichten; mir schreiben, was ihnen auf der Seele brennt. Diese Briefe werde ich Herrn Spahn übergeben. Da es naiv wäre anzunehmen, dass er auch nur einen einzigen lesen wird, werde ich vor dem Ministerium für Gesundheit eine Lesung halten und aus den Briefen (anonymisiert) vorlesen.
Obwohl die Zahl derer, die von oder mit Pflege betroffen sind, eine zweistellige Millionengröße erreicht, habe ich bisher nur 5 (in Worten fünf) Briefe mit teilweise erschütternden und erschreckenden Berichten erhalten.
Das ist ein bisschen mager, oder? Das reicht nicht für eine öffentlich wirksame Aktion!
Diese tolle Petition der Hartz-IV-Bezieherin, der es gelang über 200.000 Unterschriften zu sammeln, wurde von Herrn Spahn mit seinem ihm eigenen Zynismus kommentiert, dass somit der Beweis erbracht wurde, auch mit Hartz-IV gesellschaftspolitisch wirken zu können. Kuchen hatte er auch dabei („sollen sie doch Kuchen essen“)
Mit fünf Briefen wird er mich rhetorisch auseinandernehmen und erklären, dass die Pflegesituation bei nur fünf Beschwerdeführern wohl nicht so schlecht sein kann.
Also, bitte schreibt mir, was das Zeug hält!
An die Adresse von Frau Merkel: Es ist doch für uns alle ein Schlag ins Gesicht, wenn vor der Wahl versprochen wird, die Pflege zu verbessern. Und dann, nach der Wahl, wird aus machtpolitischen Erwägungen ein extrem empathieloser Politiker, wie Herr Spahn, zum Gesundheitsminister ernannt.
Wenn zum Krieg spielen der Wehretat ins Uferlose steigt („wir müssen mehr Verantwortung übernehmen“), während aus Kostengründen mehr als 100.000 Pflegekräfte fehlen, wird es deutlich, welchen Stellenwert die Pflege und Fürsorge von Alten, Kranken und Behinderten einnimmt. Es ist erbärmlich! Und wir sind ALLE Betroffene!
Wenn wir diesen unwürdigen Zustand ändern wollen, müssen WIR etwas tun. Nur wer sich bewegt, kann etwas bewegen. Bewegt Euch! Nicht für mich, sondern für Eure Lieben, die vielleicht nicht heute, aber vielleicht morgen die Betroffenen sein können.
KÄMPFEN WIR FÜR DIE, DIE WIR LIEBEN! KÄMPFEN WIR FÜR DIE WÜRDE UNSERER LIEBEN!
Ich weiß, dass viele von Euch am Limit sind. Das bin ich auch sehr oft. Aber eine halbe Stunde Zeit für einen Brief, eine Briefmarke für 70 Cent, müssten drin sein.
Schreibt mir an:
Nicos Farm e.V.
Wandsetwiete 2
22047 Hamburg

inwendig warm 2018, Ankunft „Ein Fazit“

Kein Ende in Sicht,
den Anfang verprasst,
dazwischen viel Tränen und Schmerzen.
Den Sinn dieses Daseins
kein bisschen erfasst,
doch immerhin reicher im Herzen.

Nichts Großes erreicht,
keine Orden, keine Yacht,
dazwischen noch Tränen und Schmerzen.
Vom Reichtum beschämt,
von der Macht nur verlacht,
doch immerhin reicher im Herzen.
Konstantin Wecker

Vielleicht hat der eine oder andere Leser meine letzte Etappe von Spandau zum Brandenburger Tor in den Medien verfolgt. Bereits am Alex wurden Nico und ich von zwei Filmteams und einer weiteren Journalistin in Empfang genommen und bis zum Ziel begleitet. Nico hatte reichlich Spaß an den Dreharbeiten. Ein mulmiges Gefühl beschlich mich – es ist nicht „meine Welt“ ständig Interviews zu geben. Am Brandenburger Tor angekommen warteten bereits zahlreiche Fotografen, Teams, mit und ohne Mikrofon, Radiosender, ntv und belagerten uns sogleich.

Zaklin Nastic, die Bundestagsabgeordnete, die menschenrechtspolitische Sprecherin der Linken, nahm uns erst einmal herzlich in die Arme. Ich kenne Zaklin aus ihrer Hamburger Zeit  und weiß um ihr Bestreben nach sozialer Gerechtigkeit.

Nach diesem, für mich überwältigenden Empfang und unzähligen Interviews gingen wir gemeinsam zum Bundesministerium für Gesundheit. Kalle Kunckel, von der Initiative „mehr Krankenhauspersonal, hatte unmittelbar vor der Tür zum Ministerium eine Kundgebung organisiert. Eine Kaffeetafel mit besonderer Einladung für den Minister, und einem eigens zur Verfügung gestellten Stuhl. Er hätte nicht stehen müssen. „inwendig warm 2018, Ankunft „Ein Fazit““ weiterlesen

inwendig warm 2018, Tag 12, „Nicos Farm e.V.“

„Es mag Zeiten geben, da wir gegen Ungerechtigkeiten machtlos sind,
Aber wir dürfen nie versäumen, dagegen zu protestieren !“
( Eli Wiesel )

Nach einem heftigen Unwetter heute Nacht, reißt die Wolkendecke, während ich starte, wieder auf und die Sonne schickt ihre Strahlen durch die Lücken. Ein Tag, wie ich ihn liebe. Heute Morgen hörte ich in den Nachrichten, dass unser Gesundheitsminister eine neue Debatte losgetreten hat: Law and order – sein Spezialgebiet. Dieser sympathische Tausendsassa ist wirklich auf allen Feldern zu Hause. Wie löblich, dann kann sich unser neuer Innenminister ja wieder intensiver um seine Modelleisenbahn kümmern.

Wie hat er das wohl gemeint – Recht und Gesetz? Sicherlich ging es ihm um die Rechte und Gesetze in den Krankenhäusern, den Pflegeeinrichtungen und den häuslichen Pflegeangeboten. Wunderbar! Nun wird dann wohl endlich die Würde der Pflegenden und der zu Pflegenden in den Einrichtungen Einzug erhalten. Schlechte Bezahlung, Unterbesetzung (stets mit einem Bein im Gefängnis), Druckgeschwüre wegen mangelnder Pflege, fehlende Zuwendung, Fehldiagnosen wegen Übermüdung – das ist dann wohl bald Geschichte. Oder habe ich da schon wieder etwas falsch verstanden?

Vor ein paar Tagen jährte sich der 50. Todestag von Martin Luther King. Er wäre hier und heute so wichtig. Ein Martin Luther King der Pflege. Ein Mann mit Charisma und Visionen – „I have a dream“ – der die Massen bewegt. Sie bewegt, endlich aufzustehen und ihre Interessen zu vertreten. Das Interesse an Würde, eine würdevolle Behandlung im Alter, als Mensch mit Behinderungen, als Kranker, als Hilfloser. Ein Mann, der es schafft, die Menschen auf die Straße zu bringen. Für ihre Lieben, aber auch für sich selbst. Denn jeder von uns ist Betroffener!

Ich habe eine ganz schlechte Nachricht für Euch: Wir werden alle sterben!

Es wird nur wenige der Schlag oder der Blitz treffen. Also sollten wir dafür sorgen, dass die, die wir lieben, aber auch wir selbst, eine menschliche Zuwendung erhalten, wenn es dann so weit ist. Oder, wenn wir einfach nur krank, alt,  behindert oder gebrechlich sind.

Lasst es uns tun: die Faust ballen und auf die Straße gehen! Die, die uns regieren, daran erinnern, dass sie geschworen haben, Schaden vom Volk fernzuhalten.

Nicos Farm


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Inwendig warm 2018, Tag 12, „Schwein gehabt …“

Wenn du denkst, wir können diese Welt nicht verändern,
bedeutet das nur, dass du nicht einer derjenigen bist,
die es tun werden.
Jaques Fresco

 

Der Himmel meint es heute ausgesprochen gut mit mir: strahlend blau und die Sonne hüllt mich in Wärme ein. Dann humpel ich los. Gestern habe ich mir eine Blase auf dem kleinen Zeh eingefangen. So spüre ich wenigstens, dass ich noch lebe.

Wie gewohnt hört der Radweg unvermittelt auf und ich muss auf der Fahrbahn weiterziehen. Heute sind die Autofahrer ausgesprochen ekelhaft zu mir. Wollen mich wohl platt fahren. Vielleicht von Herrn Spahn gekauft?
Eine Verschwörungstheorie nimmt seinen Anfang.

Es drängt mich mal wieder in den Wald. Hier habe ich meine Ruhe, der Weg ist zwar beschwerlich, aber ich spare mindestens einen Kilometer. Und eine Blase ist völlig ausreichend. Ich erreiche eine kleine Lichtung und bleibe wie angewurzelt stehen. Habe ich mich auf dieser Tour doch stets über Wölfe belustigt, wenn ich tapfer durch die Wälder schlich. Und jetzt habe ich den Salat!

Vier ausgewachsene Wildschweine pflügen vor mir den Boden um. Ich weiß nicht viel über Wildschweine, nur, dass sie gut rennen und Knochen blitzeblank putzen können. Deshalb sollte man zu Hause auch immer seine Haare in der Bürste lassen, um den Datenabgleich mit dem gerichtsmedizinischen Institut zu erleichtern.

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inwendig warm 2018, Tag 11, „Lasst uns die Straße rocken …“

Er ist ein Mondenkind
Sagt stolz der Herr Papa
Er kann nicht Fußball spielen
Doch lächeln wunderbar
Er ist mein Himmelsglück
In dieser tristen Welt
Die meine hat er dann
Auch auf den Kopf gestellt
Und jetzt erst seh‘ ich klar
Hier läuft so viel verkehrt
Einfach normal zu sein
Das hat man uns verwehrt
Das soll uns niemals mehr
So nebenbei gescheh’n
Lass uns durch Deutschland zieh’n
Man soll uns sehen und verstehen
Los, Alter! Machen wir uns auf die Socken
Kein Bock zum Stubenhocken
Lass uns die Straßen rocken
Machen wir uns auf die Socken
Turid Müller

 

Frühling wird’s … Aber zunächst gibt es noch einen Guss von oben. So kommt das bei Feinkost –Albrecht erstandene Beinkleid noch einmal zum Einsatz. Nach einer halben Stunde bricht aber die Wolkendecke auf und die Sonne überflutet mich mit Wärme.

Nach einer Weile komme ich an einem Kloster vorbei. Eine Tür steht auf und ich schaue mal schüchtern hinein. Keiner da, aber aus einem Nebenhaus dringt Kirchenmusik an mein Ohr. Ich trage mich mit dem Gedanken, mich für zwei Wochen einzuquartieren. Die Welt da draußen auszusperren. Dann besinne ich mich aber, dass die Gastgeber hier einen anderen Tagesrhythmus haben als ich. Morgens um sechs bereits frohlocken – das ist mit mir vor 11 Uhr nicht zu machen. Deren Gebetsrituale sind mit meinem Schlafbedürfnis nicht kompatibel. Vermutlich haben sich nicht einmal WLan.

Dann will ich wenigstens eine Kerze anzünden. Eigentlich ist das ja immer Nicos Part, wenn wir unterwegs sind. Weil ich kein Kleingeld habe, erstehe ich gleich eine Familienpackung der Leuchtreklamen und zünde  vier auf einmal an. Viel hilft viel. „inwendig warm 2018, Tag 11, „Lasst uns die Straße rocken …““ weiterlesen

Inwendig warm 2018, Tag 10, „on the road again“

Mein kleiner Sohn,
Du hast die Liebe in mir geweckt,
zu Menschen, die ein wenig anders sind.
Ohne Dich wäre ich unendlich arm geblieben. 

Das, was ich heute anderen geben kann,
(wenn ich überhaupt etwas geben kann)
wäre nicht denkbar ohne Dich.
Es ist Deine Melodie,
die in mir klingt und nie mehr von mir wich.
 

Und meistens sagt man erst zum Schluss,
w
as man verdeckt in tausend Varianten schrieb:
wenn ich an meinen Jungen denken muss,
dann denk ich stets
ach Gott, hab ich ihn lieb

Ich starte heute in Wilsnack. Es ist bereits 13 Uhr. Ich komme heute einfach nicht in die Puschen. Noch immer liegt ein bisschen Schnee auf dem Boden. Aber mit jedem Schritt wird die Schneedecke dünner, bis sie völlig verschwindet und klebrigem, nassen Boden weicht. Aber der Himmel meint es gut mit mir. Strahlend blau mit einzelnen Cumuluswölkchen. Ein richtiger Ostpreußenhimmel.

Im Radio habe ich von den heutigen Ostermärschen gehört. Die Leute gehen auf die Straße. Wunderbar! Gegen Krieg und Aufrüstung. Diese Verlogenheit aus angeblich humanitären Gründen überall mitmischen zu wollen. Besser, das Geld in die Bildung stecken. So ist es richtig! Dennoch werde ich wieder ein bisschen traurig. Die Pflegenden und zu Pflegenden werden wieder einmal nicht genannt. Nicht einmal gedanklich erhalten sie ein Stückchen dieses dann zur Verfügung stehenden Kuchen. „Inwendig warm 2018, Tag 10, „on the road again““ weiterlesen

inwendig warm 2018, Tag 8, „Im Nebel“

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den anderen,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allem ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.
Hermann Hesse

 

Schietwetter! Es regnet, als ich los laufe. Zumindest kann ich meine neu erstandene Regenhose einweihen. Ein Trost –  das Meiste geht vorbei. Einigermaßen missgelaunt gehe ich meinen Weg. Wie bin ich froh, dass Nico nicht dabei ist. Solche Wetterlagen sind ausgesprochen grenzwertig. Als ich mit ihm durch Deutschland gelaufen bin, hatte ich riesiges Glück. Geregnet hat es nur am Sonntag, wenn wir nicht gewandert sind oder am Ende des Tages, wenn wir die sichere Unterkunft erreicht hatten. „inwendig warm 2018, Tag 8, „Im Nebel““ weiterlesen

inwendig warm, Tag 7, „Ich hab‘ einen Traum …“

Ich hab einen Traum, wir öffnen die Grenzen und lassen alle herein,
alle die fliehen vor Hunger und Mord, und wir lassen keinen allein.
Wir nehmen sie auf in unserem Haus und sie essen von unserem Brot,
und wir singen und sie erzählen von sich und wir teilen gemeinsam die Not
und den Wein und das wenige, was wir haben, denn die Armen teilen gern,
und die Reichen sehen traurig zu – denn zu geben ist ihnen meist fern

Ja wir teilen, und geben vom Überfluss es geht uns doch viel zu gut,
und was wir bekommen, ist tausendmal mehr: und es macht uns unendlich Mut.

Ihre Kinder werden unsere sein, keine Hautfarbe und kein Zaun,
keine menschenverachtende Ideologie trennt uns von diesem Traum
Vielleicht wird es eng. Wir rücken zusammen, versenken die Waffen im Meer,
wir reden und singen und tanzen und lachen, und das Herz ist uns nicht mehr schwer.
Denn wir haben es doch immer geahnt und wollten es nur nicht wissen:
was wir im Überfluss haben, das müssen andere schmerzlich vermissen.
Konstantin Wecker

Der Himmel meint es heute gut mit mir. Der Schnee ist noch da, aber hin und wieder lacht mir die Sonne zwischen den Wolken zu. Ich starte heute zu meinem persönlichen Ostermarsch. Die Gruppe ist recht überschaubar. Hätte ich einen Spiegel dabei, wären wir schon zwei. Aber das ist nicht schlimm. So bleibt viel Zeit für Selbstgespräche und ich kann meinen Gedanken nachhängen. „inwendig warm, Tag 7, „Ich hab‘ einen Traum …““ weiterlesen

Inwendig warm 2018, Tag 6, Hartz und kein Ende

Jeder Traum, an den ich mich verschwendet,
jeder Kampf, wo ich mich nicht geschont,
jeder Sonnenstrahl, der mich geblendet,
alles hat am Ende sich gelohnt.

Jede Flamme, die mein Herz gefangen
und die Sorge, die mich oft beschlich,
war’s auch schwer, so ist es doch gegangen.
Narben blieben, doch es lohnte sich.

Unser Leben ist oft schwer zu tragen
und nur wenn man auch zusammenhält,
hat man Kraft, zum Leben ja zu sagen
und zum Kampf für eine bessre  Welt.
Hannes Wader

 

Acht Uhr in der Frühe. Mein Blick fällt aus dem Fenster neben dem Bett in meiner kleinen Pension. Der Rasen vor dem Haus ist ja gar nicht mehr grün. Ich reibe mir die Augen . Grauer Star? Nee, der Winter ist wieder da. Die Natur gibt’s heute in weiß. Keine 10 Minuten nach meinem Start habe ich auch schon nasse Füße. Bloß keinen Schnupfen kriegen, weil ich dann unausstehlich werde und schrecklich leide. Zu allem Überfluss hört nun auch noch der Fahrradweg auf und ich muss auf der Straße weitergehen. Die erste Matschattacke eines viel zu schnellen Autofahrers klatscht mir gegen die Hosenbeine. Ich beschließe meinen Weg im angrenzenden Wald fortzusetzen. Ich sinke zwar auf dem weichen Boden bis über die Knöchel ein, aber wenigstens muss ich nicht befürchten, platt gefahren zu werden. Ab und zu entledigt sich zwar ein Baum seine weiße Pracht, genau in dem Augenblick, wenn ich unter ihm hindurch komme. Damit kann ich leben. Wusste bisher nicht, dass Bäume so gehässig sein können. „Inwendig warm 2018, Tag 6, Hartz und kein Ende“ weiterlesen